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Pilotprojekt erfolgreich - Schlangen, Echsen und Amphibien in einer Anlage

Aus einer mutigen Entscheidung wurde eine gelungene Vergesellschaftung, die in der europäischen Zoo- und Aquarienlandschaft einzigartig ist. Arizona Bergkönigsnattern, Colorado Kröten, Chuckwalla und Gila-Krustenechsen bewohnen im Tropen-Aquarium Hagenbeck ab sofort eine gemeinsame Biotopanlage.

Alle vier Tierarten leben sympatrisch zusammen, das bedeutet, dass sie ein gemeinsames Verbreitungsgebiet haben und hier friedlich miteinander leben. Bis vor Kurzem lebten ausschließlich die Amphibien mit den Echsen zusammen. Doch die Gestaltung der Anlage entspricht genau den Bedingungen, die auch die Arizona Bergkönigsnatter an ihre Umgebung hat. So lag es für Dr. Guido Westhoff, den Leiter des Tropen-Aquariums, nahe, die Nattern mit den anderen Tieren zu vergesellschaften. „Nach einer kurzen Testphase mit einem Tier, die problemlos lief, haben wir auch die zweite Schlange zu den Echsen und Amphibien gesetzt. Diese innovative Art der Vergesellschaftung schafft nicht nur neuen Input und eine stimulierende Umgebung für die Tierarten, sie fördert die artgerechte Haltung und steht für eine moderne Tierhaltung. Denn das Zusammentreffen der Arten schafft, genau wie im Freiland, einen gewissen Stresspegel durch Umweltreize, den die Tiere brauchen, damit ihre Instinkte nicht einschlafen." Auch für den Besucher bietet die Vergesellschaftung ganz neue Möglichkeiten der Tierbeobachtung.

Denn durch die attraktive Färbung der Arizona Bergkönigsnatter (Lampropeltis pyromelana pyromelana) kommt nun Farbe in die Biotopanlage. Die mittelgroße Natter besticht durch ihre leuchtend roten und weißen Ringe, die durch breite, schwarze Bänder voneinander getrennt sind. Die Arizona-Bergkönigsnatter stammt aus Mexiko, wo sie felsige Gebirgslandschaften bewohnt. Die Colorado Kröten (Incilius alvarius) sind ebenfalls in Mexiko und den südlichen Teilen Arizonas beheimatet. In der Trockenzeit graben sich die Kröten in Sand ein, bis sie eine feuchte Schicht finden. Dort umgeben sie sich mit einem Schleim, damit sie nicht austrocknen. Wenn es regnet, löst sich diese Substanz auf. Die Kröten graben sich an die Oberfläche, fressen und sind bereit zur Paarung. Colorado Kröten produzieren Gifte, die in Form eines milchigen Schleims abgesondert werden. Diese Sekrete schützen die Tiere vor Fressfeinden und Krankheiten. Sie enthalten Bufotenin und Dimethyltryptamin und haben eine ähnliche Wirkung wie LSD. Es gibt Menschen, die die Tiere „melken" und das Sekret ablecken oder es als Zusatz zu Tabak verwenden, um die halluzinogene Wirkung des Schleim-Cocktails zu nutzen. Der Chuckwalla (Sauromalus ater) gehört zu den Leguanartigen und bewohnt ebenfalls die Wüstenregionen im Südwesten der USA und Nordmexiko, wo er vorwiegend in Felsspalten Schutz sucht. Gila-Krustenechsen (Heloderma suspectum) komplettieren die einzigartige Wohngemeinschaft. Es sind die einzigen giftigen Echsen, ihr Gift ist mit dem von Klapperschlangen vergleichbar. Ihren Namen verdanken sie der noppenartigen Knochenhaut, die wie eine Kruste wirkt. Weiteres Kennzeichen der stark bedrohten Tiere ist der plumpe Körperbau, bei dem der Schwanz als Fettspeicher für die klimatisch bedingten Fastenzeiten dient. Krustenechsen verbringen 80% ihrer Zeit zurückgezogen in kühleren Höhlen. Diese besonderen Echsen leben in den Wüsten Arizonas und Utahs.

Die außergewöhnliche Wohngemeinschaft befindet sich in der Tropenwelt am Eingang in die Höhlenwelt und lädt durch über- und unterirdische Einblicke zu spannenden Tierbeobachtungen in den Lebensraum diese exotischen Tiere ein.

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