Hagenbecks wehrhaftester Neuzugang

Ihren ersten Nachwuchs brachte das Weibchen der Nordamerikanischen Baumstachler (Erethizon dorsatum) nicht etwa in der geschützten Höhle zur Welt, nein, sie entschied sich für den sicheren Kral auf der Außenanlage am Fuße eines Baumes. „Unsere Baumstachler können sich frei in ihrer Anlage bewegen und haben selbst die Wahl zwischen drinnen oder draußen. Das Jungtier wird sich in den kommenden Tagen aber in der wärmenden Höhle aufhalten, da es noch nicht so gut klettern kann wie seine Eltern“, weiß Zootierärztin Dr. Adriane Prahl.

Und genau aus dieser musste Reviertierpfleger Thomas Behnke das Jungtier gestern, sechs Tage nach der Geburt holen, damit Frau Dr. Prahl die erste tierärztliche Untersuchung inklusive Chippen und Geschlechtskontrolle durchführen konnte. Geschützt mit dicken Handschuhen nahm Thomas Behnke das Jungtier vorsichtig in die Hände. Baumstachler werden zwar mit weichen, wenige Millimeter langen Stacheln geboren, diese härten aber sehr schnell aus. Zudem sind die Stacheln mit Widerhaken versehen, die schon bei der kleinsten Berührung in der Haut oder im Handschuh des Gegenübers stecken bleiben und somit Schmerzen verursachen können. Da die Geschlechtsbestimmung bei Nagetieren teilweise schwierig ist, musste Frau Dr. Prahl ganz genau hinschauen.
Das Ergebnis der Untersuchung: Das Baumstachlerjungtier ist ein Mädchen. „Wir sind sehr froh, dass es der Kleinen so gut geht und sie wohl genährt ist. Sie macht einen rundum guten Eindruck“, zeigt sich die Zootierärztin erfreut.

Baumstachler werden auch Neuwelt-Stachelschweine genannt, die auf dem gesamten amerikanischen Kontinent beheimatet sind – von Alaska bis Argentinien. Sie werden etwa 15 Kilogramm schwer und erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 60 bis 70 Zentimeter. Damit sind Baumstachler nach dem Biber das zweitgrößte Nagetier Nordamerikas.  

Das Besondere an den wehrhaften Tieren sind ihre rund 30.000 Stacheln, die etwa zwei Millimeter dick und 7,5 Zentimeter lang werden. Wenn sich Baumstachler bedroht fühlen, sträuben sich die Nager und schlagen mit ihren Schwanzkeulen um sich. Die nur lose in der Haut verankerten Stacheln können dann leicht im Körper des Gegners hängen bleiben. Baumstachler sind reine Vegetarier und ernähren sich von Rinde, Knospen, Baumnadeln, Wurzeln, Blättern und Früchten.
Da die Tiere hervorragende Kletterer sind, lohnt sich beim Besuch der Anlage ein Blick nach oben. Den Tieren stehen hier verschiedene Kletterbäume zur Verfügung, in deren Astgabeln sie sich auch gern einmal hineinkugeln.

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